Samstag, 16. August 2008

Was bleibt...

So. Nach knapp 20 Stunden Reise durch Raum und Zeit sind wir mit Rucksack und Gitarre, im Vollbesitz unserer geistigen und körperlichen Kräfte, begleitet von Res und Lutz, den beiden treuen Bandwürmern von Kolibri und Haribo, in unseren Heimatstädten und -dörfern angekommen.


Vor wenigen Tagen noch sass ich in Awassa, unter dem Eindruck des Programms, das die Leiterinnen und Leiter von Awassa geplant hatten. Tatsächlich wurde das Programm sehr gut. Unter dem Motto "Swiss Scouts visit the Hamer people" fanden vier grossartige Pfadiaktivitäten statt, die mir mehr als deutlich gezeigt haben, dass unser Projekt tatsächlich Früchte trägt. In Awassa durfte ich zusammen mit Haribo und Trolli ein Leiterteam bei seiner Arbeit beobachten, das trotz interner Spannungen sehr kreativ und produktiv zusammenarbeiten konnte. Im Gegensatz zu meinem ersten Besuch in Äthiopien vor fünf Jahren besteht das Pfadiprogramm nicht mehr aus Salutieren und Marschieren, Fahnen hochziehen und sinnlosem Knotenknüpfen, sondern immer mehr aus spielerischem Lernen in der Natur, Theatermodulen, Lachen und kritischem Hinterfragen von Strukturen und Traditionen. Der Respekt der Pfadis vor den Leiterinnen und Leitern rührt nicht mehr vom Verteilen von Kopfnüssen und lauten Kommandos, sondern von Erfahrungsvorsprung und freundschaftlicher Achtung. Diese Entwicklung zu sehen macht Spass und freut mich ausserordentlich!
Auch in Bahir Dar scheint das Programm sehr positiv gelaufen zu sein. Auch wenn dessen Umsetzung durch administrative Komplikationen seitens SOS Children's Villages und dem parallelen Umzug einiger Leiter ins Boyshome (Geführte WG für ältere SOS-Jungs ausserhalb des Dorfs) ziemlich beeinflusst wurde, ist die Bilanz von Strega, Smile und Kolibri zum Programm in Bahir Dar klar eine positive.
Im Namen der Equipe möchte ich mich allseits für das Interesse an unserem Projekt bedanken! Ich hoffe, dass die Berichterstattung auf dem Blog konnte euch einigermassen darüber auf dem Laufenden halten, was wir in Äthiopien antreffen und erfahren durften. Weitere Informationen und v.a. weitere Fotos gibt es bei unseren Projektrückblicken in Luzern und Ballwil zu hören und sehen. Die genauen Daten werden sobald als möglich auf diesem Blog bekannt gegeben.
Für die Equipe,
Silenzio

Donnerstag, 7. August 2008

Im Sueden viel Neues.

Liebe Leute zuhause in der allzeit elektrifizierten Schweiz, im fernen Schweden, im weiten Nicaragua, und im nahen Sudan.
 
Nach einigen Tagen fern jeglicher Kommunikation sind wir nun in unseren letzten Arbeitsorten, Bahir Dar und Awassa eingetroffen. Hier gibts eMail und hier gibts Strom, damit die eMails auch in den Norden, den Westen und den Suedwesten stroemen koennen.
 
Die Reisezeit zwischen den Programmteilen haben wir wie angekuendigt in zwei Gruppen verbracht. Kolibri, Haribo und Strega haben ein Maultier und einen Scout durch die Simiem Mountains getrieben, Bergaffen verscheucht, Huehner zerquetscht und Schuhe in Bergbaeche geworfen. Begleitet wurden sie auf dieser Reise von einer Hundertschaft hartnaeckiger Floehe, die sich weder von der bissigen Kaelte auf 4000 Metern ueber Meer, noch vom stechenden Koerpergeruch (fuenf Tage wandern ohne Waschgelegenheit...) abschuetteln liessen, und sich bei Strega und Haribo im Schlafsack offensichtlich sehr wohl fuehlten.


 
Trolli, Smile und ich haben etwas mehr auf unsere Verdauung gehoert und blieben in Reichweite der sanitaeren Anlagen (was in Aethiopien nicht immer sehr viel heissen will...). Mit einem Schlotterbus sollten wir in zwei Tagen von Addis nach Lalibela reisen. Nach wenigen Kilometern Schotterstrasse gab dieser aber den Geist auf. Mit einem neuen Bus gings weiter nach Dessie, von Dessie hoch nach Lalibela, ins Mittelalter. Zusammen mit Bill Clinton und hundert mausarmen, schlammbarfuessigen Bauern haben wir im Nebelwetter von Lalibela gezittert und gegen die zittrigen Kirchenvaeter im Goldgewand gewettert, die hoch ueber dem Poebel auf ihren Sesseln thronten und gelangweilt auf den ex-Praesidenten warteten. Statt eines Pfadileiterhandbuchs bringen wir naechstes Jahr einen Container voll Emmanuel Kant nach Aethiopien, so unser Plan.
 
Getroffen haben sich beide Gruppen im Quara-Hotel in Gondar, bei Mangosaft und Macchiato. Zusammen fuhren wir per Minibus nach Bahir Dar, und Strega durfte auf dieser Fahrt das erstaunliche physikalische Phaenomen erfahren, dass Erbrochenes aus der Sitzreihe vor ihr, wenn es in den Fahrtwind versprueht wird, gleich wieder in den Minibus zurueck, respektive der Strega ins Gesicht, geweht wird. Die Reise war schoen und wir haben sie alle genossen.
 
Nach einem gemeinsamen Tag in Bahir Dar hat sich die Gruppe wieder aufgeteilt. Fuer den praktischen Projektteil sind Haribo, Trolli und ich nach Awassa weitergefahren, waehrend Smile, Kolibri und Strega in Bahir Dar geblieben sind. In diesen beiden Staedten nun fuehren die frisch ausgebildeten Leiterinnen und Leiter ein viertaegiges Programm durch. Wir helfen ihnen dabei, geben ihnen Feedbacks und versuchen, den einen oder anderen Konflikt in ihrem Leiterteam zu loesen.
 
In Awassa hat das Programm gestern mit einem fulminanten Mottoeinstieg gestartet. Die Aktivitaeten ueberzeugen uns wirklich sehr, und wir sind gespannt, was die Woche noch bringen wird.
 
Mit besten Wuenschen und Gruessen in alle Himmelsrichtungen,
fuer die Equipe,
Silenzio
 


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